Bin ich schön? Wer von uns hat sich diese Frage nicht schon oft, vielleicht zu oft gestellt?
Der letztjährig gegründete Frauenverein „erna und erich“ hat sich mit eben dieser Frage beschäftigt und dem Thema am 14.2.04 in der Künstlerhauspassage am Karlsplatz eine Vernissage (Titel: „ich bin schön“) gewidmet.
Ein allgegenwärtiges Sujet, denn schließlich müsste Mann/Frau schon blind sein oder im Wald leben, um der omnipräsenten Schönheitsfrage aus dem Weg zu gehen.
Dass das Thema offenbar zugkräftig ist (die Passage drohte zeitweise aus ihren Nähten zu platzen, so groß war der Andrang), ergibt nach längerer Überlegung natürlich Sinn, denn tagein, tagaus ist vor allem Frau dem Schönheitswahn ausgesetzt. Er wird plakatiert, beschrieben und im Fernsehen bis zur Gehirnwäsche vorgeführt. Dass die Antwort, was schön ist, schon lange nicht mehr unsere Entscheidung ist, ist ein Problem. Dass diese fremdbestimmte Schönheit in weiterer Folge mit Erfolg und Selbstbewusstsein gleichgesetzt wird, ist ein noch größeres.
Eine anspruchsvolle Thematik, die sich die jungen Vereinsgründerinnen für ihre erst zweite Veranstaltung ausgesucht haben. Clever, dass sie sich dem Schönheitswahn dabei mit Humor näherten, ohne aber ihr Anliegen zu veralbern: die Veranstaltung bestand aus acht Fotografien von Frauen, die ihre Gesichter zu einer Grimasse verzogen hatten. Die Botschaft war sonnenklar, wurde aber von den Veranstalterinnen im Laufe des Abends bei Bedarf bereitwillig erklärt „Ich bestimme, was schön ist, denn Schönheit ist eine Lebenseinstellung, keine Einschätzung der eigenen Optik.“
Gut, dass sie jedoch nicht darauf vergaßen, ihr Publikum einzubeziehen. So durfte jede/jeder, die/der wollte, ebenso eine Grimasse verziehen und sich dabei fotografieren lassen. Die Polaroidfotos wurden noch am selben Abend neben den Vernissage-Fotos ausgestellt, und da nicht wenige dieser Aufforderung folgten, war tatsächlich bald der Großteil des Publikums unmittelbarer Teil der Veranstaltung. Ein echter Clou: denn beim Betrachten all dieser Fotos stellte sich bald ein wohliges Wir-Gefühl ein, nämlich dass wir alle schön sind.
Der Verein fungiert als Plattform, um Menschen die Verwirklichung ihrer Ideen zu ermöglichen. Im Mittelpunkt stehen dabei Projekte, die sich mit bestehenden Gesellschaftssystemen auseinandersetzen und diese sowohl kritisch, als auch visionär betrachten. Ziel ist es, auf Alternativen aufmerksam zu machen und die Sensibilität für angelernte und unreflektierte Sichtweisen und Verhaltensmuster zu erhöhen. Dazu ist es sinnvoll die BesucherInnen immer in die Projekte einzubinden und Teil der Aktion werden zu lassen.
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